Der Provokative Stil im Management, Artikel in der "Welt" 5/2003: "Humor statt Hiebe"

von Martina Brückner 

erschienen am Samstag, den 10. Mai 2003 ,in der Rubrik KARRIERE WELT - Schule/Beruf/Weiterbildung.

Brückner stellt fest, dass viele Vorgesetzte sich ihren Humor abgewöhnt haben, "da in Führungsetagen nach wie vor die Angst grassiert, dass Humor die Autorität untergräbt".

Mit dem "Provokativen Stil" hingegen lernen die Führungsskräfte, die Dinge und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Im Folgenden sind einige Zitate aus diesem Artikel wiedergegeben.

"Lachen verträgt sich einfach nicht mit Stress und Ärger", ist Eleonore Höfner überzeugt. "Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten spielt der Humor insbesondere für Führungskräfte eine ganz wichtige Rolle, um dem extremen Druck standzuhalten" ... 

Doch nur wer sich selbst relativieren könne und somit über den Dingen stehe, könne auch über sich lachen.

Das Relativieren fördere den inneren Abstand zu den eigenen Problemen. Dadurch würden Auswege sichtbar, die es auch aus einer scheinbar ausweglosen Situation gibt: "Durch das Lachen über sich selbst erlangt man ein Stück Freiheit zurück und bekommt Distanz zu seiner eigenen Verbohrtheit"

Zur Rolle des Coach schreibt Brückner:

Indem man bestimmte Verhaltensweisen des anderen hemmungslos verzerrt und überzeichnet, wird Widerstand provoziert und in die richtige Richtung gelenkt - gegen das eigene, selbstschädigende Verhalten und nicht gegen den unterstützenden Gesprächspartner. "Humor hat aber nichts mit ätzendem und schadenfrohem Lachen zu tun," stellt Höfner klar.

Provozieren dürfe nicht als "rüpelhaftes Konfrontieren und Anpöbeln" verstanden und werden. "Das Motiv für den Einsatz des Provokativen Stils sollte immer sein, jemanden dazu zu bringen, eine selbstschädigende, teamschädigende oder firmenschädigende Verhaltensweise oder Haltung abzulegen. "Und dies kann ich ihm auf eine humorvolle Weise viel besser beibringen als wenn ich mit dem erhobenen Zeigefinger oder mit der Knute komme"....

Gerade beim Führungskräftecoaching hat sich laut Höfner der Einsatz des Provokativen Stils bewährt: "Eine häufige Denkblockade liegt ja darin, dass ein Manager glaubt, je mehr Stress ich mir auflade, desto erfolgreicher werde ich sein", erzählt Höfner. "In dem Moment, wo sich die Führungskräfte von außen als Hamster im Laufrad sehen und ihre Situation mit Humor nehmen, wird auch der Druck nachlassen und sie können ihre Kräfte wesentlich effektiver einsetzen."

Viele Vorgesetzte hätten sich über die Jahre hinweg ihren Humor abgewöhnt, da auf viele Führungsetagen immer noch die Angst weit verbreitet sei, Humor könne die Autorität untergraben.

Brückner sprach auch mit einer Kundin von Dr. Höfner.

Auch Marie Sommer hält viel von der befreienden Kraft des Lachens: Die promovierte Abteilungsleiterin Personalentwicklung/Training bei der Pharmacia GmbH mit Hauptsitz in Erlangen hat sich gemeinsam mit ihren Trainerkollegen von Eleonore Höfner in puncto Provokativem Stil geschult. "Es ist wirklich eine gute Kommunikationsmethode, um Schärfe in Humor zu verpacken, die Leute mit sehr deutlichen Bildern zum Lachen zu bringen und sie dadurch aus ihren eingefahrenen Verhaltensweisen herauszuholen", so Sommer. Gerade im Top-Management-Coaching würden die Führungskräfte oftmals immer noch "mit Glacé-Handschuhen angepackt, um ja niemandem weh zu tun". Doch positive Veränderungen seien so nicht zu erreichen, ist Sommer sicher....Ganz entscheidend für den Erfolg des Coachings ist ... jedoch "ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zum Trainer". Der Provokative Stil dürfe nur dann angewendet werden, wenn der Trainer oder Coach von den grundlegenden Fähigkeiten des anderen überzeugt sei und ihm grundsätzlich positiv gegenüberstehe, betont auch Höfner. ...

Angesichts dieser "notwendigen wohlwollenden Grundhaltung' sieht Höfner den Einsatz des Provokaiven Stils als Kommunikationsform zwischen Führungskraft und Mitarbeiter eher kritisch: "Es liegt im Charakter des Anwenders, ob er den Provokativen Stil als Waffe oder effektives Hilfsmittel einsetzt." Gerade wenn Führungskräfte selbst massiv unter Druck stehen, fehle es oftmals an der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern, so Marie Sommer. "Der Provokative Stil ist keine Masche. Es muss eine geistige Haltung dahinter stecken, die man verinnerlicht hat," unterstreicht Eleonore Höfner. Empfehlenswert sei er daher nur für Menschen, "die anderen wohlgesonnen sind, Humor haben und sich selbst nicht für den Nabel der Welt halten."

© D.I.P. München