oder: Humor und Herausforderungin der Psychotherapie
von Eleonore Höfner
Artikel aus PiD, Psychotherapie im Dialog, Heft 4 / Dez. 2000
Die Rolle des Therapeuten
Der Provokative Stil hat seine Wurzeln in der Provokativen Therapie, eine vom Amerikaner Frank Farrelly in den Sechzigerjahren entwickelte Therapieform, die in Europa erst zwanzig Jahre später bekannt wurde und inzwischen in Fachkreisen eine recht breite Basis hat. Viele Therapeuten, die es leid waren, auf Grund bestimmter "Verbote" ihrer Therapieschule ständig professionelle Zurückhaltung zu üben, haben den Provokativen Stil als befreiende Ergänzung zu den von ihnen praktizierten Methoden erlebt. Mit dem Provokativen Stil soll keine neue Therapieschule begründet werden. Er ist eine Kommunikationsform, die sich in viele therapeutische Vorgehensweisen integrieren lässt.
Im allgemeinen lernen Psychotherapeuten in ihrer Ausbildung, dass man seine eigenen Gefühle aus der Therapie heraushalten soll. Es wird ihnen vermittelt: "Was immer Du spontan denkst und fühlst - behalte es für Dich. Mit therapeutischem Verhalten hat das nichts zu tun." Erfahrene Thera-peuten sind daher im Allgemeinen perfekt in der Rolle des scheinbar emotionslosen Experten für psychische Störungen, der seine Neutralität durch einen neutralen Gesichtsausdruck - das wohlbekannte therapeutische Pokerface - dokumentiert. Sie halten sich vollkommen bedeckt. Sie zeigen keine Gefühle, keine Mimik, versuchen zu wirken, als hätten sie keine Meinung und wissen genau, wie man Klienten, die ihnen eine persönliche Aussage entlocken wollen, abschmettert. Der Preis für diese professionelle Zurückhaltung ist für die meisten Psychotherapeuten deutlich spürbar. Sie fühlen sich an manchen Tagen so ausgelaugt, als hätten sie den ganzen Tag beim Roten Kreuz Blut gespendet.
Im Provokativen Stil dagegen darf der Therapeut wieder zum "normalen" Menschen werden, der seine eigenen Reaktionen auf den Klienten zu dessen Nutzen in den Therapieprozess einbringt. Dazu gehört auch, dass er sich nicht akademisch ausdrückt, sondern die Sprache des Klienten spricht, bzw. sich so äußert, wie der Klient vermutlich denkt (das begriffliche Denken normaler Menschen ist nur in Ausnahmefällen akademisch).
Eine Erforschung der eigenen Motive bei der Einschätzung ande-rer Menschen, vor allem von Klienten, ist im psychotherapeutischen Rahmen ohne Frage unbedingt nötig, um vorschnelle, subjektiv getränkte Schnellschüsse in der Beurteilung der Klienten zu vermeiden. Geschulte Psychotherapeuten sind im allgemeinen innerlich neutral, d.h. weitgehend frei von eigenen Intentionen - und das ist nicht dasselbe wie frei von eigenen Emotionen - d.h. sie verfolgen in der Therapie keine wie immer gearteten eigenen Ziele. Bei einem intentionslosen Thera-peuten können wir davon ausgehen, dass die meisten seiner Emotionen in der Sitzung vom Klienten ausgelöst werden und er sie deshalb sehr gut nutzen kann, indem er sie dem Klienten mitteilt.
Was ist der ProSt?
Depressionen in allen möglichen Verkleidungen sind für den Praktiker die Störung, mit der er am häufigsten konfrontiert wird. Sie macht selbst vor den Therapeuten nicht halt, denn der Anteil der Personen, die nach einigen Berufsjahren aus dem Fenster springt, ist in den helfenden Berufen am höchsten. Das hat unter Umständen nicht nur mit dem oben angeführten Zwang zu professioneller Zurückhaltung zu tun, sondern auch mit dem Mythos, dass der Klient heftiges Leiden durchleben muss, um seine Psyche zu verändern. Die Beobachtung heftigen Leides bei anderen Menschen, noch dazu mit möglichst wenig sichtbaren eigenen Emotionen, ist selbst für erfahrene Praktiker auf Dauer schwer auszuhalten.Bei der Vorstellung, dass Veränderungen nur durch Leiden zu erreichen sind, werden zwei Dinge verwechselt: Leiden während des Veränderungsprozesses und Leidensdruck. Natürlich ist ein gewisser Leidensdruck erforderlich, um zu bewirken, dass der Klient überhaupt zur Psychotherapie kommt. Wenn er aber einmal da ist, ist der Schlüssel zu seiner Veränderung nicht die Tiefe seines Leidens im Veränderungsprozess, sondern seine emotionale Beteiligung. Verhaltensänderungen allein aus Einsicht, ohne Anbindung an die Gefühle, sind nicht möglich. Diese emotionale Beteiligung lässt sich aber nicht nur durch Leiden, sondern ebenso durch befreiendes Gelächter erreichen.
Die Schlüsselmerkmale des Provokativen Stils sind zum einen der Humor und zum anderen die Herausforderung zur Rebellion gegen die eigene Selbstschädigung. Da Lachen und Rebellion zwingend mit intensiven Gefühlen verbunden sind, koppelt der Provokative Stil sehr schnell und mühelos das Denken und Verhalten des Klienten an seine Gefühle an und sichert so dessen emotionale Beteiligung.Ich will versuchen, die provokative Vorgehensweise hier kurz zu skizzieren, auch wenn mir bewusst ist, dass sie sehr komplex ist und zu Missverständnissen geradezu einlädt. Im Provokative Stil kommt es vor allem darauf an, beim Klienten Lachen und Widerstand zu provozieren, und zwar Lachen über und Widerstand gegen das eigene, selbstschädigende Verhalten und nicht gegen den (unterstützenden, hilfsbereiten) Therapeuten. Der Klient wird also nicht durch Kitzeln oder Witze, gewissermaßen "von außen", zum entspannenden Lachen gebracht, sondern indem er erlebt, wie absurd sein eigenes Verhalten ist. Es gibt kein Verhalten, das nicht auch absurde und komische Seiten hätte und der Therapeut verzerrt die Bereiche, in denen sich der Klient selbst ein Bein stellt, so lange, bis sie auch für den Klienten komisch werden.
Opferhaltung und Selbstverantwortung
Ich will Depressionen nicht unzulässig vereinfachen und es liegt mir fern, zu behaupten, ich wüsste definitiv, welche Ursachen sie haben. Depressionen sind vielschichtig und zeigen sich in vielen Maskierungen. Auch heute ist die Frage nach ihren angeborenen und seelischen Anteilen, physischen und psychischen Ursachen ebenso wenig schlüssig beantwortet wie in den Siebzigerjahren, als ich in einem Forschungsprojekt über Depressionen am Max-Planck-Institut arbeitete.
Bei der Arbeit mit dem Provokativen Stil ist die Herkunft einer Störung jedoch nicht von zentralem Interesse. Im Blickpunkt sind vielmehr die gegenwärtig funktionierenden Teile in der Psyche des Betroffenen und der feste Glaube daran, dass jeder sich ändern kann, wenn er es wirklich will. Dieser Wille zur Veränderung und Selbstverwantwortung in einem partiell aus dem Ruder gelaufenen Leben soll gestärkt werden.
Depressive Klienten zeichnen sich vor allem durch ihren Mangel an Initiative und Lebensfreude sowie ihre extreme Opferhaltung und erlebte Hilflosigkeit aus. Sie trauen sich nicht, direkt eigene Wünsche zu äußern und Ansprüche zu stellen. Ihre Krankheit sehen sie als Schicksalsschlag, als undurchschaubares Geschehen, das sie befällt und dem sie sich nicht entziehen können, da sie das Ergebnis externer Umstände ist, wie verquerer Gene oder einer unglücklichen Kindheit, einem autoritären Vater usw., also in der Vergangenheit liegender Vorfälle, die man nicht beeinflussen kann oder konnte und deren armes, unschuldiges Opfer man geworden ist. Es wird sicher Protest hervorrufen wenn ich behaupte: Man kann diese Fixierung auf die Opferrolle auch als Entscheidung für eine bestimmte, einge-schränkte Lebensform begreifen, die durchaus Vorteile für das Opfer hat. Entscheidungen sind nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt, sondern können neu getroffen werden.
So hilflos sich depressive Klienten auch fühlen mögen: Indirekt, über den Umweg ihrer Depression, tyrannisieren sie ihre Umwelt durch die Beanspruchung ausufernder Hilfeleistungen, die sie ohne ihre Krankheit niemals zu fordern wagten, nun aber einfordern dürfen, weil sie ja nichts dafür können (z.B. Begleitung beim Verlassen des Hauses oder beim Einkaufen, ständige Anwesenheit des Ehemannes usw.). Sie spielen also mit der Macht des Schwachen und holen sich so ihre "Trostpreise", da der "Hauptgewinn", ein selbst bestimmtes Leben, ihnen nicht erstrebenswert oder nicht erreichbar erscheint.
Wenn ein depressiver Klient die Praxis betritt, übt er bereits Macht aus, indem er die Stimmung definiert, die im Behandlungszimmer herrschen soll. `In meiner Gegenwart darf nicht gelacht werden´, `mein Leiden ist schlimmer als das aller anderer Menschen auf diesem Planeten´ und dergleichen unausgesprochene Vorgaben bringen den Klienten in Führung, wenn der Therapeut sich daran hält. Wenn der Klient aber im therapeutischen Prozess führt, besteht die Gefahr, dass man mit seinen Bemühungen da landet, wo der Klient ohnehin immer hinsteuert: Im Graben.
Im Provokativen Stil übernimmt der Therapeut die Führung. Er spricht die finstersten Gedanken und Befürchtungen des Klienten aus und verzerrt und persifliert sie so lange, bis sie komisch oder absurd werden, um den Widerspruch des Klienten herauszufordern und seinen Lebenswillen zu kitzeln. Die Provokation zum Gelächter ist frei von zynischer Überheblichkeit. Der Therapeut hält dem Klienten einen "Zerrspiegel" vor Augen und lacht mit ihm gemeinsam über das Schädliche und Absurde in seinem Denken und Verhalten, nicht über seinen verletzlichen Wesenskern – wobei der Klient mehr lachen sollte als der Therapeut. Dabei rückt nicht nur das Denken des Klienten in den Blickpunkt, sondern auch die sozialen Folgen seines Verhaltens, um seine Nabelschau zu durchbrechen.
Lachen macht frei und Widerstand setzt in Bewegung. Das Lachen über sich selbst gibt dem Klienten ein Stück Freiheit zurück, denn nur wer sich selber relativieren kann und somit "darüber steht", kann über sich lachen. Es schafft Entlastung, fördert den inneren Abstand, rückt die Dimensionen zurecht und gibt dem Klienten die Kontrolle zurück – er ist wieder Akteur statt Opfer.
Lachen und Widerstand kann man zum Beispiel dadurch erreichen, dass dem Klienten alle Vorteile, die sein depressive Zustand ihm bringt - der sogenannte "sekundäre Krankheitsgewinn" - begeistert aufgezählt werden und er in paradoxer Weise flammend zu weiterem Verhalten in die bisherige Richtung aufgefordert wird. Gleichzeitig rät der Therapeut heftig von jeglicher Veränderung ab, da sie dem Klienten nur Nachteile bringen würde ("kein Mensch geht mehr mit Ihnen zum Einkaufen, wenn Sie gesund werden!"). Die Vorteile veränderten, gesünderen Verhaltens erwähnt er hingegen nur im Nebensatz und tut sie als unerheblich ab. Der Klient wird dadurch herausgefordert, seine Aktivität in neue Richtungen zu lenken, denn je leidenschaftlicher der Therapeut des Klienten Position besetzt ("tu, denke und fühle mehr von dem, was du ohnehin tust, denkst und fühlst"), desto heftiger belegt der Klient im Allgemeinen die gesündere Gegenposition. Indem er gegen den Therapeuten opponiert, tut er sich selbst einen Gefallen.Der Widerstand des Klienten gegen sein bisheriges Verhalten wird dadurch gesteigert, dass man ihm unterstellt, er sei überhaupt nicht in der Lage, sich zu verändern, weil er zu alt und unbeweglich, zu jung und unerfahren, zu dick oder zu dünn sei, je nachdem, wo sich der Klient am besten packen lässt.
Die Grundhaltung des Therapeuten
Im Provokativen Stil sagen wir also genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise als hilfreicher Therapeut sagen würde. Aber während wir verbal "unverschämte" Dinge von uns geben, sieht unsere unausgesprochene Meinung zum Klienten ganz anders aus: Wir sind überzeugt von seinen Möglichkeiten, sich wieder für ein lebenswerteres Leben zu entscheiden, ganz gleich wie lange seine Störung schon dauert oder wie alt er ist (von Frank Farrelly stammt der Ausspruch: "Solange der Körper des Klienten warm ist, kann man Therapie machen"). Wer diese Überzeugung nicht teilt, sollte sich andere Möglichkeiten der Beeinflussung als den Provokativen Stil suchen.
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass bei inkongruenten Botschaften (das sind solche, die sich inhaltlich widersprechen) immer der nonverbalen geglaubt wird, weil dies der weitaus umfangreichere Teil der Kommunikation ist. Im Provokativen Stil verhalten wir uns fast immer inkongruent: Wir sind verbal übertrieben "unverschämt", das heißt, wir vermitteln dem Klienten eine schamlose, übertriebene Sicht auf sein Denken und Verhalten, aber nonverbal sind wir warmherzig und unterstützend.
Beim Einsatz des Provokativen Stils in der Therapie spielt die Persönlichkeit des Therapeuten eine wichtige Rolle. Denn zum einen ist der Therapeut gezwungen, seine Haltung dem Klienten gegenüber zu überprüfen, damit seine nonverbalen Botschaften ehrlich und eindeutig positiv sind. Nur dann kann er zu verbalen Un-verschämtheiten greifen, ohne den Guten Draht zu verlie-ren. Zum anderen kann der Klient nur lernen, über sich zu lachen, wenn auch der Therapeut sich selbst absurd und komisch finden kann. Wenn das nicht gewährleistet ist, besteht die Gefahr, dass das Vorgehen des Therapeuten verletzend, selbstherrlich und besserwisserisch und völlig humorlos wird. Im konstruktiven, heilsamen Sinn dürfen wir uns also nur dann über die Torheiten anderer lustig machen, wenn wir auch über unsere eigenen Torheiten lachen können. So gelacht lachen wir über die Torheiten des anderen, nicht über ihn selbst.
Im Provokativen Stil vermitteln wir dem Klienten von Anfang an ein Gefühl der Hoffnung und Zuversicht, weil wir seine Probleme nicht so tragisch und bitter ernst, ihn selber aber ganz und gar für voll nehmen. Die Verbeugung vor dem Symptom bedeutet eine Abwertung des anderen, so, als sei er weniger wichtig als der Teil in seinem System, der Störungen verursacht. Die Verbeugung vor dem Menschen hingegen gibt dem Symptom den Stellenwert, der ihm zukommt. Mit anderen Worten: Wir nehmen den Menschen ernst und machen uns (mit ihm zusammen) über das Symptom lustig. Diese humorvolle Atmosphäre sät Zuversicht, denn das Lachen über etwas impliziert den guten Ausgang: Ich darf nur lachen, wenn ich davon überzeugt bin, das alles ein gutes Ende nimmt.
Die humorvollen Verzerrungen im Zusammenspiel mit einer spürbaren Selbstironie des Therapeuten haben einen weiteren nützlichen Nebeneffekt: Sie fordern den Klienten auf, auch zu den Aussagen des Therapeuten eine distanzierte Haltung einzunehmen. Er muss sich ständig fragen: "Soll ich das jetzt wörtlich nehmen oder muss ich es noch `übersetzen´??. Die Einsicht, dass jede Sichtweise, auch die des Therapeuten, immer nur eine von unzählig vielen ist, fördert das Relativieren und die Unabhängigkeit vom Therapeuten.
Um die provokative Vorgehensweise zu illustrieren, möchte ein Transskript einer therapeutischen Sitzung anhängen, die Frank Farrelly mit einem mehrfach hospitalisierten, manisch-depressiven Patienten in einem seiner Workshops in einer psychiatrischen Klinik vornahm (aus: Höfner u.a.: Das wäre doch gelacht! Humor und Herausforderung in der Therapie, rororo, 3.Aufl. 2001, mit freundlicher Genehmigung des Verlages). Zur Wahrung der Anonymität wurde der Namen des Klienten verändert und Details, die seine Identifikation er-möglicht hätten, gestrichen. Farrelly hatte keine Informationen über das Krankheitsbild und sah den Patienten zum erstenmal.
Das Problem bei Transskripten ist, dass sie den gesamten nornverbalen Teil ausblenden, der gerade bei der provokativen Vorgehensweise eine so zentrale Rolle spielt. Es kann also sein, dass Sie als Leser Ablehnung oder Empörung über die Aussagen des Therapeuten verspüren, die sich beim direkten Zuschauen nicht einstellen würde.
Manfred der Satellit
Frank Farrelly sitzt neben dem Patienten. Wenn er etwas beson-ders Unverschämtes sagt, legt er ihm häufig die Hand auf den Arm. Es besteht fast permanenter Augenkontakt.
Kl: Seit Jahren falle ich von Zeit zu Zeit in manische oder depressive Verstimmungen.
Th (geschafft): Oh mein Gott! In einer Erdumlaufbahn oder in der Hölle! (Sachlich): Sind Sie jetzt gerade zurück auf der Erde oder....
Kl: Ja, ja, ich bin zurück auf der Erde, aber im Augenblick ist es so, als ob eine Art schwerer Stein auf meinem Her-zen läge.
Th: Ja, ja, so ist es mit Manisch-Depressiven. Entweder sie sind im Himmel oder in der Hölle. Und was tun die Therapeuten? Sie legen einen Stein auf das Herz des Menschen und sagen: "Nun sind Sie normal" Uuuuaaarrrrgggghhhh!
Kl: Wenn ich einen Stein auf meinem Herzen habe, bin ich normal?
Th: So ist es! Geben sie Ihnen Lithium?
Kl: Nein, kein Lithium.
Th: Antidepressiva? Beruhigungsmittel?
Kl: So eine Art Neuroleptikum. .... In manischen Zeiten fühle ich mich gut und glücklich und wenn ich manisch bin fühle ich mich stark und ich bin aktiv.
Th: Ja, aktiv, stark, glücklich.
Kl: Aber die Leute mögen mich dann nicht.
Th: Ja, weil sie eifersüchtig sind. Therapeuten sind auch eifersüchtig. Deshalb sagen sie: "Nein, wir müssen diesen Mann runterziehen, damit er langweilig und normal ist wie wir alle."
Kl: Ja, das glaube ich auch, weil wenn ich depressiv bin, bin ich leicht zu handhaben und ich tue, was die Leute sagen und ich befolge alle Anweisungen. Ich tue meine Pflichten, aber in meinem Herzen bin ich eine Art Zombie. - Ich sitze gerne an Flussufern, ich liege gerne im Gras in der Sonne oder sitze auf Holzbänken im Park. - Ja, so ist das. Ich arbeite seit 1974 in einem Krankenhaus.
Th: Als was?
Kl: Als Krankenpfleger. Und ich habe noch 20 oder 25 Jahre vor mir und das ist meine Zukunft....
Th: Wie alt sind Sie?
Kl: Ich bin vierzig.
Th: Vierzig! Und so sieht es jetzt aus! Ein Stein auf Ihrem Herzen! Nicht glücklich, nicht frei, nur Anweisungen gehorchen! (Verträumt): Nicht den Fluss des Lebens beobachten, wie er vorbei fließt und im Gras liegen und die Briese spüren und die zarten Blumen riechen und die Vögel singen hören und der sanfte Sonnenschein ... (Barsch): Arbeit, Gehorchen, ja, unglücklich sein! Ist das ein Leben für einen Mann? In den nächsten 20 ... zweieinhalb Jahrzehnten, oh mein Gott! Vier weiteren Jahrzehnten!! Sie werden wahr-scheinlich 80 oder 84! Uaaarghhh! Das klingt wie eine Ver-schreibung: "Werde ein Mitglied des Reiches der Untoten!" Sie wissen schon, von Drakula und all den Zombies gebissen - das nennt man die Untoten. Sie lebten nicht, sie waren nicht richtig tot, sie sind nur so eine Art untot. Uah!
Kl: Ja, das stimmt, es ist, als ob man untot wäre.
Th: Ja, wir nannten es "in der Vorhölle". Die katholische Kirche ... sind Sie katholisch?
Kl: Nein, ich bin Protestant.
Th: Nun, die Kirche spricht von der Hölle, dem Himmel, dem Fegefeuer und dieser Art Vorhölle. Es ist so eine Art Himmel, aber es ist nicht der Himmel, es ist nicht die Hölle und es ist nicht das Fegefeuer - es ist eine Art NICHT. Die sind dort lebendig, aber nicht vollständig dort drüben, in der nächsten Ebene der Existenz. Jetzt haben sie also die Vorhölle für Sie hier geschaffen.
Kl: Ja, genau so ist es!
Th: So eine Art untoter Zustand. (Stumpf): "Gehorche, tu was sie dir sagen, lache nicht zu laut - sonst nichts. Und tu das die nächsten 44 jahre lang" - uuaaarrrghhh - "Und trinke nicht!"
Kl (lacht): Nun, ich bin ein starker Raucher, vielleicht sind es nur noch 20 Jahre, aber das ist lang genug!
Th: Das ist zu lang!Kl: Also, was kann man da machen?
Th: Tun Sie, was man Ihnen sagt! Die Leute mögen diese Maniker nicht, die umherlaufen und laut lachen. "Gebt diesem Mann genug Beruhigungsmittel, damit man ihn aus der Umlaufbahn herunterbringt." (kreist mit dem Kopf und verfolgt die Umlaufbahn:) Bzzzzzoing! Hier kommt Manfred schon wieder - bzzzzzoing - er war länger in der Umlauf-bahn als jede andere in Deutschland hergestellte Rakete." Die finden glückliche, freiheitsliebende Männer, die sich in der Erdumlaufbahn befinden, ärgerlich. Hähähä - und: Peng! Peng! "Da ist er wieder! Schießt ihn ab!"
Kl: Das haben sie gemacht!
Th: Sie taten es! Sie tun es nicht mit Gewehren, sie tun es mit Nadeln (piekt sich imaginär eine Spritze in den Hintern) Iiiiikk - autsch!
Kl: Nicht nur mit Nadeln, mit Eisen auch.
Th: Jaaaa, sie halten eine Armband-Party für Sie ab. "Wenn du dich nicht selber kontrollieren kannst, werden wir dich kontrollieren!" Pffftt! Das ist vielleicht ein Leben! Es ist so, als ob das Leben ein großes Gefängnis wäre (im abgehackten Befehlston): "Tu was man dir sagt, geh` zur Arbeit, jetzt geh` nach Hause, dreh das Licht aus, jetzt schlafe, steh auf, wasch dich - und zwar überall ! Sprich nicht zu laut, sei nicht so depressiv, sei nicht zu glücklich. " Das ist alles!
Kl: Ja, aber wenn ich depressiv bin mögen mich die Leute. Dann bin ich leicht zu handhaben.
Th: Ja, typisch!
Kl: Dann fühle ich mich nicht gut.
Th: Den anderen Leuten geht es besser, wenn Sie sich nicht gut fühlen, so ist das!
Kl: Ich hätte gerne ein bisschen, nur ein bisschen etwas Manisches!
Th: Nein! Die Leute würden das nicht mögen. Wenn Sie sich ein bisschen manisch und ein bisschen freier und glücklicher fühlten, würden die sich weniger frei und unglücklicher fühlen. Es gibt nur Sie oder die.
Kl: Nun, ich entscheide mich für mich!
Th: Sie entscheiden sich für sich und die entscheiden sich auch für sich und dann tun die Ihnen das an! Harharhar!
Kl: Ja.
Th: Ja.
Kl: Es bleibt also die Frage, was kann ich tun?
Th: Nicht viel!
Kl (lacht): Das habe ich mir gedacht!
Th: Wenn er wieder in die Umlaufbahn gerät, werden wir ihn runterschießen, festbinden, ihn in einen Käfig sperren, piiieeek - besseres Leben mit der Chemie. (Lacht schal-lend). Ja, wir haben Wege, Leute zu kontrollieren, die zu glücklich sind, Leute, die sich zu schnell bewegen und zu laut lachen (lacht aus vollem Halse).
Kl: Ja, ich habe eine Menge Erfahrung damit!
Th: Die wollen also, dass sie die Straße des Lebens im Gleichschritt heruntergehen. (Im Kommandoton): "Links - rechts - links - rechts - marsch!" - "Jawohl, mein General!" Ist das ein Leben?
Kl: Nein!
Th: Nein! Das ist ein Gefangenenlager. Und diese hochfliegenden Vögel, was macht man mit ihnen? Man sperrt sie in einen großen Käfig, harharhar, einen chemischen Käfig. Einen waffengesicherter Käfig, und wenn sie zu laut singen oder lachen oder zu laut und zu viel sprechen, können wir sie leiserdrehen. Wir drehen die Lautstärke leiser, die Sprechrate, die Wortwahl, nur soundsoviel Lieder pro Stunde. Wir können sie immer (senkt seine Stimme in den Keller) v e r l a a a n n n g s a a a a m e e e n n n n. Und wir lächeln dann und sagen: "Technik, Chemie, das reicht!" So machen wir es tatsächlich! "Jetzt benimmt er sich viel besser!" - "Oh, aber dieser Mann hat einen Stein auf seinem Herzen!" - "Ja, aber das verlangsamt ihn, er bewegt sich dann nicht mehr so schnell!" (Lacht schallend) "Er benimmt sich viel besser und er singt nicht laut um halb drei Uhr früh. Dieser Mann ist ein Erfolg! Harharhar.......
Pause...
Th: Sehen Sie, die Leute haben ihre eigenen inneren Uhren. es gibt Kalender, es gibt Uhren und es gibt innere Uhren. Und wenn Ihre innere Uhr anfängt - boiiiiinnnnggggg - boiiiiinnnnggggg- boiiiiinnnnggggg - zu schnell zu gehen, sagen die Leute: "Oh, oh, er bewegt sich ... mach langsam, du bewegst dich zu schnell, nimm dir Zeit!" Da gibt es sogar einen Song darüber. Dann tun sie genug Thorazin rein bis Sie lila pinkeln. Dann werden Sie langsam und jeder lä-chelt. Natürlich haben Sie ein schweres Herz, aber wir anderen können leicher atmen (lacht laut).
Kl: Jeah!
Th: Der Patient sagt: "Nun, was ist mit mir?" Und der Therapeut und die Ärzte und die Familien und die Nachbarn und die Polizei und jeder sagt: "Nun, was ist mit dir?! Aber was ist mir uns?...
Pause ....
Th: Sagen Sie "ja!"
Kl (lacht): NEIN! "Was ist mir uns - was ist mit ihnen!" Die Leute legen eine Art Grabstein in meinen Weg.
Th: Ja, ja. Ich mag dieses Bild. (Lacht) "Hier liegt Manfred, er bewegte sich zu schnell" - "Ja, wir haben ihn verlangsamt". Harharhar. Andere Leute werden ärgerlich und gereizt, wenn jemand sich zu schnell bewegt - oder zu laut - oder die Nacht zum Tage macht. Dann machen wir chemische Kriegsführung gegen ihn und entblättern ihn. Harharhar. Jaaa!
Kl: Ja, ich weiß!
Th: Ich habe das schon vielen Leuten erklärt. Ich sage: "Je höher du fliegst, deso tiefer krachst du runter." Wenn Sie für uns zu hoch fliegen, können wir Sie runter bringen.
Kl: Heißt das, ich sollte eine Art Kompromiss oder Gentlemen-Agreement mit anderen Leuten treffen?
Th: Kompromiss? Gentlemen-Agreement? Was für eins?
Kl (eifrig): Ja, ja. Wenn ich sage, dass ich die Nacht nicht zum Tage mache und nicht so laut singe und nicht so laut rede und nicht so laut lache, wenn ich also ein bisschen gedämpfter lebe, werden sie mich in Ruhe lassen.
Th: Das ist so eine Art Abmachung, ja, hmmm ..... Aber wenn Sie aufgezogen sind - ng, ng, ng, ngngngngng - und Ihr Schwungrad außer Kontrolle gerät, sagen sie: "Bringt die Thorazin-Gewehre! Wir werden diesen Mistkerl verlangsamen, wir werden ihn dazu bringen, leiser zu singen, wir werden die Nacht wieder zur Nacht und den Tag wieder zum Tage machen!" Und die Nachbarn sagen: "Puh, Gott sei Dank!" Und die Polizei sagt:" Wie geht es Ihnen jetzt, Manfred? Wir nehmen unsere Handschellen zurück, vielen Dank, aber wir können sie natürlich wieder bei Ihnen verwenden, höhö!"
Kl: Aber ich möchte nicht weiterleben mit diesem Stein auf meinem Herzen!
Th: Ja, ich verstehe. Manche Menschen haben schon von Anfang an ein steinernes Herz.....
Kl: Nein, ich habe kein steinernes Herz, ich habe nur einen Stein auf meinem Herzen.
Th: Ich verstehe den Unterschied, ich sage nur, manche Menschen haben ein Herz aus Stein und anderen Menschen wird ein Stein auf`s Herz gelegt und sie werden schwermütig. Und dann gibt es manche Menschen, die sind unbeschwert. Und die können singen - nicht um halb drei Uhr früh, und nicht so laut, dass die Nachbarn beginnen sich zu beschweren: "Polizei! In der Nachbarwohnung hat jemand Spaß! Ich möchte, dass Sie das sofort abstellen!" - Manche Menschen sind also unbeschwert und haben ein wunderbares Leben. Und denen legt niemand Handschellen an oder pumpt sie voller Thorazin. Und sie sind erhebend für andere Leute, sie geben anderen Energie, sie füllen das Herz anderer mit Hoffnung. Nicht wie diese idiotischen Maniker, wissen Sie, die bzzzoinnng, bzzzoinnng, sich so schnell bewegen, dass die anderen schwindlig werden. Der Mensch muss also lernen, wie man frei und glücklich sein kann und wie man anhält, um die Blumen zu riechen ohne die anderen zu reizen. Man kann unbeschwert sein ohne zu verärgern! Man kann glücklich sein, aber nicht zu glücklich, um die anderen nicht eifersüchtig zu machen.
Kl: Das hat mir ein Therapeut einmal gesagt. Er sagte zu mir: "Manfred, wenn du dich wirklich gut fühlst, wenn du richtig glücklich bist, dann sag es niemandem!"
Th: Nein!
Kl: Nein, niemals! Sie könnten eifersüchtig sein.
Th: Ja!
Kl: Sie würden einen nicht verstehen.
Th: Nein!
Kl: Und sie drehen einem einen Strick daraus!
Th: Das stimmt! "Sie sind glücklich? Gut, einen Moment" - ein Strick (tut, als würde er erhängen). "Wir haben ein Heilmittel gegen das Glücklichsein ... ja ... jedes Problem kann korrigiert werden, einschließlich dem Glücklichsein". (Lacht röhrend).
Kl: Jedes Problem kann korrigiert werden?
Th: Ja, jedes Problem kann korrigiert werden, einschließlich Manfreds Glücklichsein. Harharhar, das sagen sie...
Kl: Also sollte ich besser still sein, wenn ich glücklich bin.
Th (verschließt sich den Mund mit einem imaginären Reissverschluss): Zipp! "Wie fühlst du dich heute?" - "Uo, oh, mmmmmmpfk" - "Bist du glücklich?" - "O nein, nein!" - "Nun, wie fühlst du dich dann?" - "Elend" - "Gott sei Dank!"
Kl: Ja, das beobachte ich bei der Arbeit und mit Freunden. Wenn sich alle elend fühlen, sind die Leute glücklich.
Th: Ja, wenn die Leute glücklich sind, fühlen sich andere elend!
Kl: Ja, es gibt kein besseres Gesprächsthema, als das Unglück von jemandem.
Th: Das bringt ein Lächeln in jedermanns Gesicht. "Hast du Manfred gesehen? Er kam hier rein und hat seinen Arsch hinter sich hergeschleift wie ein Bleichgewicht von einer Million Tonnen." Jeder lächelt. "Diese Woche wird er keine Probleme machen!" Haaa! So denken die. Das Glücklichsein mancher Leute hat so viel Unheil in der Welt angerichtet. Das ist also ein Problem, das ausgerottet werden muß. Haha! Zertrampelt! Zertrampelt die geistige Gesundheit, der Himmel kann warten (lacht).
Kl: Ja!
Th: Es gibt eine Frau, die schrieb ein Buch letztes Jahr. Sie hat elf Jahre gebraucht, um es zu schreiben. Es heißt "Der spirituelle Körper" von Patricia Treece. Sie spricht über die Heiligen, wie sie durchdrungen waren von Gott und sie waren so ekstatisch glücklich, dass ihre Körper sich buchstäblich in die Luft erhoben - sie gingen in die Erdumlaufbahn - nicht so wie Sie. Und da gibt es zwei berühmte Heilige, die Heilige Theresa von Avila und den Heiligen Johannes vom Kreuz. Die sprachen über den Himmel und die Liebe Gottes und ihre Körper verklärten sich. Licht schien aus ihren Körpern. Und all die Mönche gingen zu Bett und um halb drei Uhr früh wachte einer der Mönche auf und sah, dass die ganze Kirche, die Kapelle, aussah wie... Er rief: "FEUER!" Das war so etwa im 11. Jahrhundert. Und alle rennen mit Eimern um das Feuer zu löschen. Und da sind sie, schwebend - gesehen von etwa zwanzig Mönchen oder so - Ekstase. Die haben nicht laut gesungen oder laut gelacht. Schließlich schwebten sie herunter und das Licht ging aus und die Mönche gingen wieder ins Bett. Wenn sie das jede Nacht gemacht hätten - haha! "Holt die Hand-schellen, bindet ihnen Bleigewichte an die Knöchel! Wir wollen nicht, dass sie da die ganze Zeit herumschweben, sodass die Kapelle aussieht als brenne sie! Wir kommen nicht mehr zum schlafen!" Leute, die zu laut oder zu anders oder zu glücklich sind - die einfach anders sind als wir - die ärgern uns. Wir mögen das nicht. Sie tun besser dran, sich zu benehmen, sich genauso zu verhalten wie wir.
Kl: Das ist also ein Gesetz?!
Th: Nun, es ist ungeschrieben, aber es ist ein Gesetz. Sie müssen so sein wie ich! (Beide lachen laut). "O Scheiße, ich wäre lieber tot!" - "Das können wir auch richten!" ... Ich denke, manchmal können die Leute, die in die Erdumlaufbahn gehen, laut lachen und heftig Partys feiern, aber oft denken die Leute, dass sie einfach feindselige Arschlöcher sind. Sie sind so verdammt rücksichtslos gegen die Bedürfnisse anderer Menschen. "Jetzt werden wir ihn auf die Erde runterbringen und er wird nicht nur an seinen eigenen Bedürfnisse denken, sondern auch an die anderer Menschen!"...
Pause ....
Th: Ich weiß, das ist ein radikaler Gedanke!
Kl: Ja, aber niemand hat es mir je so gesagt.
Th: Nun, die haben nicht gedacht, dass sie für diese große Einsicht reif wären. "Sein Geist ist so zerbrechlich, bitte regt ihn nicht auf, da ist so ein delikates Ungleichgewicht, wir können Manfred nicht die Wahrheit sagen. Und wenn er in der Erdumlaufbahn ist, ist er eine Arschgeige!"
Kl: Nein, sie haben mir immer gesagt: "Du bist krank, du bist leidend, du bist psychotisch" und solche Sachen und niemand hat mir das gesagt. Vielleicht bin ich dumm, dass ich nicht selber gelernt habe, dass es Gesetze gibt, die ich respektieren muss und denen ich gehorchen muss.
Th: Ja, wenn Sie in der Umlaufbahn sind, sind Sie ein rücksichtsloses Arschloch und wir werden Sie abschießen, - harhar - weil wir ein Gesetz haben, dass wir keine rücksichtslosen Arschlöcher über uns fliegen lassen wolen, die Scheiße und Rücksichtslosigkeit und Lärm und "hahaha" um halb drei Uhr früh auf uns herunterregnen. Also schießen wir diesen Hurensohn Manfred runter auf die Erde. Dann legen wir ihm Handschellen an und sperren ihn in einen Käfig, bis er einverstanden ist, auf der Erde zu leben und den Gesetzen zu gehorchen und keine Arschgeige mehr für uns ist.
Kl: Ja. .... Und was ist mit den depressiven Phasen?
Th: Na ja, wissen Sie, dann wirft man ein paar Haken zu Ihnen runter und zieht sie aus dem Abgrund, wenn Sie zu depressiv werden und herumsitzen und wie ein Klumpen Blei aussehen....
Pause ...
Th: Die wollen Sie nicht zu still und sie wollen Sie nicht zu laut. Die wollen nicht, dass Sie zu hoch fliegen, aber die wollen Sie auch nicht im Abgrund. Die wollen nicht, dass Sie zu laut lachen, aber auch nicht zu traurig. Nur ein stilles Lächeln und Glucksen von Zeit zu Zeit. (Beide lachen. Zu Manfred:) Das ist zu laut! - "Haben Sie Blähungen oder lächeln Sie?" Es ist das Gleichgewicht zwischen den Extremen, sagt man.
Kl: Das heißt, es ist eine Frage des Gleichgewichts?
Th: Nun, im wesentlichen wollen die, dass sie einfach mittelmäßig sind. Lauwarm, mittelmäßig, nicht zuviel in diese Richtung und nicht zuviel in jene. Einfach die Leute nicht reizen und ihnen keine Sorgen machen. Sie sind 40 .- Sind Sie verheiratet?
Kl: Ja.
Th: Jesses, ist das Ihre 19. Ehe oder wie viele ....
Kl: Es ist meine erste.
Th: Ihre erste ... Wie lange sind Sie schon mit diesem armen Opfer verheiratet?
Kl (lacht): Ich werde ihr erzählen, dass sie ein armes Opfer ist und ich denke, sie wird zustimmen (beide lachen). Trotzdem hat sie mir gestern abend gesagt, dass sie mich liebt.
Th: Ja, es gibt Leute, die gerne abheben und in die Umlaufbahn gehen.
Kl: Nein, wir sind seit 1983 verheiratet und seit 1977 zusammen.
Th (pfeift anerkennend): 25 Jahre in die Umlaufbahn gehen und runterkrachen?
Kl: Nein, nicht die ganze Zeit. Nur von Zeit zu Zeit. Nicht jede Woche oder jeden Monat, nein, da sind Jahre dazwischen.
Th: Na ja, nicht mal Cape Canaveral schickt jede Woche Raketen in den Weltraum. "Da kommt schon wieder eine!" _ "Nein, das ist nur Manfred." - "Aber er war letzte Woche schon in der Umlaufbahn!" - "Nun, es fühlt sich eben so gut an, dass er es diese Woche wieder versucht!" --- Wie heißt Ihre bedauernswerte Frau mit Vornamen?
Kl: Nicole.Th: Ist sie Französin oder Deutsche?
Kl: Nein, sie ist Deutsche.
Th: Gut. Haben Sie Kinder?
Kl: Nein.
Th: Gott sei Dank!
Kl: Ja, das denken wir auch.
Th: Ja. Ein Mitglied der Familie in der Umlaufbahn ist genug. Wir wollen nicht einen Haufen kleiner Satelliten. Bzzzzz! Boingggaloing! Boingggaloing! "Das war Manfred und seine Satelliten!"
Beide lachen.Der Zeitnehmer ruft "Time!" und beendet das Gespräch.